Yoga

Yoga bietet mehr als nur Entspannung

Der Begriff Yoga (auch Joga) stammt aus dem altindischen Sanskrit. Er bedeutet sinngemäß Verbindung, Vereinigung oder auch Einheit. Gemeint ist damit keineswegs nur die Verbindung von Körper, Seele und Geist. Es geht auch um das Einswerden mit dem Göttlichen. Yoga hat seine Wurzeln im Hinduismus und Buddhismus und stellt eine der traditionellen Schulen (Darshanas) der indischen Philosophie dar. Bildliche Darstellungen von Menschen, die Yoga-Übungen praktizieren gibt es seit etwa 4.000 Jahren. Am bekanntesten dürfte die Haltung im Lotussitz sein. Überliefert ist das Yogasutra des indischen Weisheitslehrers Patanjali, der um 200 vor Christus gelebt haben soll.  

Im alten Indien lag der Schwerpunkt des Yoga auf Meditation und Askese. Diese Verbindung galt als rein spiritueller Weg zu Bewusstseinserweiterung und Erleuchtung. Schon im hinduistischen Epos Bhagavad Gita wurde Yoga als Hilfsmittel zur Meditation beschrieben. Ziel ist die stufenweise Entwicklung und Beherrschung des Geistes. Dieser meditative Ansatz wird Raja Yoga genannt. Patanjali bezeichnete die Yoga Meditation als Ashtanga Yoga. Die anderen drei klassischen Yoga Richtungen sind Jnana Yoga als Weg zur Erkenntnis, Karma-Yoga als Weg des selbstlosen Handelns und Bhakti-Yoga als Weg der liebenden Hingabe an Gott. Neben diesen spirituellen Aspekten geht es auch darum, das gesamte Potential der körperlichen und geistigen Fähigkeiten auszuschöpfen. Im Yoga soll dies erreicht werden durch eine Kombination von bestimmten Körperhaltungen, Bewegungsabläufen und der Lenkung des Atems. Daneben spielen die Haltung der Finger (Mudras) eine Rolle und die Konzentration auf einen inneren Punkt. Diese meditative Versenkung wird oftmals durch das Sprechen oder Summen verschiedener Mantras erleichtert.

Yoga AsanasDie speziellen Körperhaltungen werden als Yoga Asanas bezeichnet. Diese Stellungen sollen über eine bestimmte Zeit hinweg aufrecht erhalten werden, was anfangs meist Schwierigkeiten bereitet. Mit zunehmendem Üben fällt es dann leichter, die Balance zu wahren oder komplizierte Verdrehungen des Körpers auszuführen, ohne sich eine Zerrung zu holen.

Traditionellerweise standen dabei Körperbeherrschung und das Aushalten bzw. Überwinden von Schmerz im Vordergrund. Heute geben die meisten Yogalehrer den Grundsatz vor, dass man beim Üben nie über die persönliche Schmerzgrenze hinausgehen soll. Mit zunehmendem Üben der Asanas entwickelt man ein besseres Körperbewusstsein. Die Muskeln werden gestärkt sowie Kraft und Ausdauer trainiert.  

Yoga PranayamaNeben den verschiedenen Körperhaltungen spielt die Atmung eine Schlüsselrolle im Yoga. Die Bezeichnung für diese Atemübungen lautet Yoga Pranayamas. Grundsätzlich atmet man ruhig und langsam. Zudem kann der Atem den Übungen entsprechend in  verschiedene Körperteile gelenkt werden, was Verspannung und Schmerzen verhindern soll. Auch Stress und negative Gefühle wie Wut, Zorn oder Angst können durch gezieltes Atmen abgebaut werden.

Neben Asanas und Pranayamas gibt es die dritte Stufe der Dharayanas. Es sind besondere Meditationstechniken, die meist im Lotussitz geübt werden. Auch dabei wird die Konzentration zu Beginn auf die Atmung gelenkt. Ziel des Kundalini-Yoga ist das Aufsteigen der Kundalini-Energie bis zum obersten Chakra, um die Verbindung mit dem kosmischen Bewusstsein zu ermöglichen. Diese spirituelle Praxis war im hinduistischen Tantra nur Eingeweihten vorbehalten und erforderte bestimmte Vorbereitungen zur Reinigung der Energiekanäle (Nadis).

Im westlichen Kulturkreis ist Hatha-Yoga weit verbreitet. Doch diese Form des Yoga ist keineswegs neu. In einem Text aus dem 15. Jahrhundert werden Techniken beschrieben, die als „Hatha Yoga Pradipika“ ausdrücklich den Köper einbeziehen auf dem Weg zu spirituellem Wachstum. Dennoch wird Yoga häufig im Westen in erster Linie als Entspannungstechnik betrachtet. Und natürlich bietet Yoga Entspannung für Körper, Seele und Geist. Deshalb haben Yogaübungen heute ihren festen Platz in Fitness-Centern und Wellness-Einrichtungen. Auch aus dem Programm von Volkshochschulen, Kur- und Rehakliniken sind Yoga-Kurse nicht mehr wegzudenken. Die gesundheitsfördernden Aspekte stehen dabei im Vordergrund, ob es nun darum geht, mehr Beweglichkeit und verbessertes Gleichgewicht zu trainieren, oder den Rücken zu stärken. Auch die positiven Auswirkungen regelmäßigen Übens auf die inneren Organe sind belegt. Zudem wird die Immunabwehr verbessert, wodurch vielen Krankheiten vorgebeugt werden kann. Als weitere „Nebenwirkung“ wird man zunehmend gelassener und kann den Anforderungen des oftmals hektischen Alltags besser standhalten.

Yoga ChakrenIn den vergangenen Jahrzehnten wurden neue Formen des Yoga entwickelt für spezielle Zielgruppen, wie Luna-Yoga zur Steigerung der Fruchtbarkeit oder Hormon-Yoga für Frauen in den Wechseljahren. Wer dabei Yoga lediglich als eine Möglichkeit zur Steigerung des Wohlbefindens nutzt, kann dies tun und wird auch davon profitieren. Die gesamte Bandbreite des komplexen Systems wird sich jedoch kaum erschließen. Das ist schade. Denn wie die Chakra-Meditation, so bietet auch Yoga eine gute Möglichkeit, den für uns Europäer nicht gerade einfachen Weg zur Spiritualität zu beschreiten. Wer etwa den Sonnengruß ganz bewusst bei offenem Fenster oder im Freien als Hinwendung zur Natur praktiziert, wird bei regelmäßigem Üben etwas erahnen von dem Gefühl der Verbundenheit mit der göttlichen Schöpfung.

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